Wir wollen eine Schule leben,

die offen, freundlich, entwicklungsfähig

und partnerschaftlich ist.

Wir stellen die fachliche Ausbildung

und die persönliche Entwicklung

der Schülerin/des Schülers in

den Mittelpunkt unserer Arbeit.

Wir legen Wert auf verantwortliches

Handeln, Toleranz und Fairness.

Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler

befähigen, Verantwortung im Lernen und

Handeln für sich und andere zu übernehmen.

Stell´dir vor, die Wirtschaft wächst und der Umwelt geschieht nichts Böses

Dass das nicht funktioniert, davon ist einer der führenden Postwachstumsökonomen, Professor Niko Paech, überzeugt. Paech, der einen Lehrstuhl für Plurale Ökonomie an der Universität Siegen innehat, hielt an der BBS Wechloy einen Vortrag zum Thema „Ein Europa ohne Wachstum?“

Irgendwo in Deutschland im Jahre 2050: Person A, nennen wir ihn Peter, ist gut ausgebildet und arbeitet 20 Stunden pro Woche. Die freigewordene Zeit nutzt er, um einen Garten zu bewirtschaften, in dem er Obst und Gemüse anbaut. Dieses tauscht er mit seinem Nachbarn, der keinen Garten hat, dafür ein geschickter Schrauber ist und elektronische Geräte, die ihren „Geist aufgegeben“ haben, wieder zum Laufen bringt. Tina hat weder einen Garten noch kann sie reparieren, aber sie kann gut mit Holz umgehen. Dieses Netzwerk wird ergänzt durch eine Person, die Textilien aufarbeiten kann und eine, die eine Waschmaschine hat und sich um die Wäsche kümmert. Und so weiter …

Spinnerei? Utopie? Nein, ist Niko Paech überzeugt. Die Selbstversorgung oder auch Subsistenz ist eine der Säulen, die zum Zukunftsentwurf der Postwachstumsökonomie gehört. Und sie wird möglich, da die Arbeitszeit reduziert und die freie Zeit genutzt werden kann, um in Netzwerken tätig zu sein. Zweite Säule ist es, die Region zu stärken, d.h. weniger Distanz zwischen Erzeugung und Nutzung von Produkten. Als Drittes kommt der Rückbau der Industrie um ca. 50 % dazu. Da wir mehr reparieren und selbst anbauen, brauchen wir auch weniger industrielle Produktion. Das muss keinen Verzicht bedeuten, aber einer gewissen Suffizienz, sprich Genügsamkeit, bedarf es schon.

Dass immer mehr Wachstum nicht mit immer mehr Wohlstand einhergeht, belegte Paech mit Zahlen aus Amerika, die aber durchaus repräsentativ für andere Industrienationen sind. Bis Mitte der 50er Jahre stiegen das Wirtschaftswachstum und die Zufriedenheitskurve der Bevölkerung stetig. Doch dann drifteten die Kurven auseinander. Während die Wirtschaft weiter wuchs und wächst, stagniert bzw. sinkt die Zufriedenheit der Menschen. Das passiert, wenn die Gesellschaft eine Sättigung erfährt.

Der Preis für das Wirtschaftswachstum ist hoch. Nicht nur, dass die Menschen zunehmend unter Stress und Reizüberflutung leiden – so hat sich die Verschreibung von Antidepressiva in den Jahren von 2000 bis 2010 verdoppelt -, auch die Zahl der Insekten hat sich in den letzten 25 Jahren um 70 -80 % reduziert, täglich werden 300 000 Coffee-to-go-Becher weggeworfen, in Afrika entstehen Gebirgszüge aus Elektroschrott und wir schaffen durch Bodenversiegelung die Umwelt schleichend ab. Während auf der einen Seite der Wohnraummangel beklagt wird, beträgt die Wohnfläche in Deutschland pro Kopf 2018 46,5 m², Mitte der 60 er Jahre waren es noch etwa 20 m². Dies nur einige Stichpunkte.

Aber was ist denn mit der grünen Wachstumspolitik? Ist Deutschland im Bereich erneuerbare Energien nicht führend? Prof. Paech fällt ein vernichtendes Urteil: Die Energiewende? Pure Techniküberschätzung. Es gibt leider in Deutschland kein „grünes Wunder“, eher eine große Blamage. Der Anteil von Wind- und Sonnenenergie an der Primärenergieerzeugung beträgt gerade einmal 2,8 % (Wind) und 1,1 % (Sonne). „Hier geht es nur um die Stromerzeugung. Energiegewinnung aus Gas und insbesondere Rohöl wird dabei gar nicht betrachtet. „Pro Tag verbrauchen wir 2,5 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Öl.“, berichtet Paech.

Klingt ja niederschmetternd. Gibt es denn noch Hoffnung? „Oh ja!“, ist Niko Paech überzeugt, „Im September 2018 haben sich 240 Wissenschaftler aus 28 Ländern in einem offenen Brief an das europäische Parlament gewandt und mit ihren Forderungen eine lebhafte Diskussion darüber angestoßen, wie es möglich sein kann, Wirtschaft ohne Wachstum zum Wohle aller Menschen zu betreiben. Vielleicht können wir bei den Politikern auf Einsicht hoffen.“  Zweitens werde es Veränderungen durch die Besetzung von Nischen, wie anfangs beschrieben, geben. Allein in Oldenburg gebe es z.B. schon sechs Repaircafés.

Fotos: ZS