Wir wollen eine Schule leben,

die offen, freundlich, entwicklungsfähig

und partnerschaftlich ist.

Wir stellen die fachliche Ausbildung

und die persönliche Entwicklung

der Schülerin/des Schülers in

den Mittelpunkt unserer Arbeit.

Wir legen Wert auf verantwortliches

Handeln, Toleranz und Fairness.

Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler

befähigen, Verantwortung im Lernen und

Handeln für sich und andere zu übernehmen.

(K)ein Tag wie jeder andere

Eine Bundesministerin im Haus, das ist schon etwas Besonderes. Am Donnerstag stattete Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung der BBS Wechloy einen Besuch ab.

Ab 12 Uhr stieg die Spannung, Vertreter aus der Wirtschaft, von den Kammern und Ausbildungsbetrieben waren neben einigen Kolleg*innen und den Bankfachklassen gekommen und füllten langsam die Aula. Die Bundesministerin traf ein und wurde vom Hausherrn, Schulleiter Oliver Pundt, begrüßt. Dieser dankte zunächst dem Bundestagsabgeordneten Stephan Albani, auf dessen Initiative der Besuch zustande kam und hieß alle Gäste – Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Frau Sachse und Herrn Welp von der Stadt, Herrn Schröder von der Landesschulbehörde, Kollegen anderer BBS´n, … – herzlich willkommen.

Herr Pundt freute sich, Gastgeber sein zu dürfen und betonte, wie wichtig die hier geleistete erfolgreiche berufliche Bildung sei. Die BBS fungiere als verlässlicher Partner für Betriebe,  Kammern und vor allem die Schüler*innen, die fachlich und darüber hinaus in einer professionellen Lerngemeinschaft bestens ausgebildet würden. Das Ergebnis sei eine geringe Jugendarbeitslosigkeit und die duale Ausbildung ein einzigartiges „Pfund“, mit dem sich wuchern ließe. Andere Länder beneideten uns darum – in dieser Disziplin seien wir Weltmeister.

Dazu passe überhaupt nicht die Entwicklung der finanziellen Ausstattung der BBS´n. Während die Gymnasien eine Unterrichtsversorgung von 102 % haben, liegen die BBS´n bei etwa 90 %. Ungefähr 100 Stellen seien gestrichen worden, 60 % der Haushaltsmittel gekürzt, dies führe zu einer weiteren Lücke in der Unterrichtsversorgung von ca. 3 %. „Das ist wenig weltmeisterlich!“, fasste Herr Pundt zusammen. „Lassen Sie uns gemeinsam darum kämpfen, dass die Attraktivität der dualen Ausbildung erhalten bleibt. Wir sind gut aufgestellt und es fühlt sich doch gut an, Weltmeister zu sein!“, appellierte der Schulleiter an alle, diese Botschaft weiterzutragen.

Als Nächstes sprach Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der sich freute, dass die Ministerin in Oldenburg Station machte. Er betonte, dass etwa 50 % der Haushaltsmittel der Stadt in Schule und Bildung flössen. Natürlich reiche das nicht, man müsse priorisieren. Trotzdem sei die berufliche Bildung auf einem sehr guten Niveau. Er lobte die Bundesministerin für den Digitalpakt, wies aber auch auf den Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern hin und forderte: „Einigen Sie sich, wir brauchen das Geld!“

Bundestagsabgeordneter Albani sprach als „Letzter der Vorgruppe“. Berufliche Bildung zöge sich als roter Faden durch seine Tätigkeit und es bewege sich etwas. Das BBiG ist 50 Jahre alt und wird novelliert, das Aufstiegs-Bafög ist neu, eine Enquete Kommission hat sich gebildet. Es werde ganz konkret gearbeitet und es gebe deutliche Schritte nach vorn.

Nun war Anja Karliczek an der Reihe. Als Erstes ging sie auf den Digitalpakt ein. Ja, es hake zwischen Bund und Ländern, aber jeder verspüre den Druck, dass es zu einer schnellen Einigung kommen müsse. Sie habe großes Vertrauen in die Demokratie.

Wie wichtig berufliche Bildung sei, wisse sie als gelernte Bankkauffrau aus eigener Erfahrung. Darum solle das Jahr 2019 das Jahr der beruflichen Bildung sein, denn: 75 % aller Stellen brauchen berufliche Ausbildung. Aber auch die Weiterbildung sei notwendig. Der Arbeitsmarkt verändere sich rasant, deshalb sei der Digitalpakt auch so wichtig. Ein weiteres Stichwort sei die Globalisierung. Sie habe sich informiert und sei ganz beeindruckt, wie weit die Internationalisierung (Erasmus+, Schulpartnerschaften, KiG) an den BBS Wechloy fortgeschritten sei. Weiter läge ihr das lebensbegleitende Lernen am Herzen. In einer nationalen Weiterbildungsstrategie sollen Erstausbildung und diverse Weiterbildungsstufen vernetzt werden. In den nächsten Jahren würden 1,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, während 2,1 Millionen neue entstünden. Während die Arbeitsplätze, die wegfallen, überwiegend durch Roboter ersetzt werden, würden für die entstehenden Arbeitsplätze hochqualifizierte Menschen gebraucht, die entsprechend ausgebildet sein müssten. „Hier müssen wir eine gute Infrastruktur schaffen, indem z.B. auch Ausbilder und Prüfer weitergebildet werden.“, so Frau Karliczek.

In diese Richtung zielte auch die Frage eines Auszubildenden, der wissen wollte, wie Berufsbildung, Studium und Weiterbildung verzahnt werden sollen? Die Bundesministerin forderte noch einmal eine Kultur des lebenslangen Lernens. Ausbildung und Studium seien nicht gleich, aber es müsse gleichwertige Ausbildungswege mit einer Durchlässigkeit geben. Die Weiterbildung könnte modularisiert werden. In Wochenendkursen, Sommerakademien oder über einen längeren Zeitraum würden berufsbegleitend die erforderlichen Kompetenzen erworben.

Im Anschluss gab es die Gelegenheit, an drei praktischen Beispielen zu sehen, wie sich die BBS Wechloy den Herausforderungen der Zukunft der Bildung stellt.

Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht wurde bei den Automobilkaufleuten gezeigt. Bildungsgangleiter Klaus Vogel erläuterte kurz die technischen Voraussetzungen (Notebooks für jeden Schüler, zwei Beamer, Soft- und Hardware), dann zeigte Lehrkraft Daniel Pohlmann mit den Schülern eine kleine Unterrichtssequenz. Das Thema „Preisstrategie für Gebrauchtwagen“ stieß auf großes Interesse, auch privat, bei den Gästen.

Viel Zeit für Fragen blieb nicht, denn es ging weiter in das Medienzentrum. Dort stellte Bildungsgangleiter André Bloemen die Fachschule Betriebswirtschaft vor. Da die BBS hier mit der Universität Oldenburg kooperiert, stand ihm Tim Zentner vom C3L (Center für lebenslanges Lernen) zur Seite. Lehrkraft Sarah Wingen gab ein unterrichtspraktisches Beispiel.

Danach berichtete Heiner Averbeck, Bildungsgangleiter Steuerfachangestellte, von dem ebenfalls erfolgreichen Modell des „Ausbildungsbegleitenden Studium“, das es möglich macht, in 3,5 Jahren sowohl eine Ausbildung zum/r Steuerfachangestellten als auch den Bachelor of Laws zu machen.

Das letzte Wort hatte Schulleiter Oliver Pundt, der allen Gästen, insbesondere Bundesministerin Karliczek für den Besuch und MdB Albani für die Initiative, dankte. Er betonte abschließend, dass es auch dem Engagement der Kolleginnen und Kollegen zu verdanken sei, dass dieser Besuch ein voller Erfolg war, aber: „Im System gibt es noch Verbesserungsbedarf.“

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Bericht in der NWZ​​​​​​​